Totes Gebirge



300
Gaby mit neuer Mütze
Gaby mit neuem Hut
Ausblick
Rastplatz mit Ausblick
Zeltplatz
Zeltplatz neben der Liezener Hütte
Frühstück vor der Liezener Hütte
Frühstück vor der Liezener Hütte
Christrosen (Helleborus niger)
Christrosen (Helleborus niger)
Hochglanzkäfer auf der Brunn Alpe
Hochglanzkäfer auf der Brunn Alpe
Gämse
Gämse
Tannenhäher
Tannenhäher
Luckerhütte
Luckerhütte
Karstgestein
Karstgestein
rast an der Jausenstation
Jausenstation
Gewitterpause am letzten Morgen
Gewitterpause am letzten Morgen
Trocknungsaktion
Trocknungsaktion

Totes Gebirge
Mai 2009

Christi Himmelfahrt - 4 freie Tage von Donnerstag bis Sonntag, dazu eine ziemlich gute Wettervorhersage: Zeit für die erste richtige Tour des Jahres. Blöderweise hat es den Winter noch ziemlich spät ziemlich viel geschneit, so dass oberhalb von 1500 m noch fast überall reichlich Altschnee rumliegt. Auch ein Abchecken der üblichen Webcams bringt mich nicht viel weiter, so dass wir uns für bewährtes entscheiden (2000 waren wir schon einmal um diese Jahreszeit im Toten Gebirge). Ist eigentlich auch die einzige Jahreszeit, zu der man da a la Snailing unterwegs sein kann - den Rest des Jahres versickert in dem Karst das ganze Wasser und man kriegt nur an ein paar wenigen Quellen was. Und da sitzen dann strategisch die ganzen Hütten.

1. Tag
Weiße ZahnwurzDonnerstag Morgen um 5:00 Uhr ist wecken und obwohl wir noch allerlei zu packen haben, schaffen wir es tatsächlich, um 6:00 Uhr aufzubrechen. Nach einigen Pausen sind wir um 11:30 Uhr geschnürt und gestiefelt (und Gaby mit neuem Hut) in Weißenbach bei Liezen und es kann los gehen. Auf einer bequemen Forststraße geht es zunächst durch einen unglaublich grünen Mischwald bergauf. In den ersten 10 min begegnen uns noch ein paar Spaziergänger, das war's dann erst mal mit anderen Menschen. dafür finden wir Blumen ohne Ende. Der Schnee ist noch nicht lang weg und so ist alles voll mit den erten Frühlingsblühern: Christrosen (bei den Einheimischen Schneerosen genannt), Leberblümchen, weiße Zahnwurz, Seidelbast, Krokusse...

oben im Toten GebirgeNach ca. 2 Stunden (inkl. einer gemütlichen Pause an einem reißenden Wildbach) ist der Fahrweg zu Ende und ein Pfad führt steil aufwärts in Richtung Hochtörl und weiter zur Liezener Hütte. Ab dem Hochtörl ist geht es über eine wellige Hochebene durch noch weitestgehend Altschneeverseuchte Lärchenwälder. Immerhin werden die Lärchen schon grün und so schaut es zumindest schon ein wenig frühlingshaft aus. Aber der Weg ist mühsam, das Gepäck drückt und weit und breit kein Fleckchen, um das Zelt aufzustellen. Also schleppen wir uns noch bis zur Liezener Hütte (mittlerweile ist es fast 5:00 Uhr nachmittags).

Dort sind gerade zwei Österreicher aus Graz eingetroffen, die einen AV-Schlüssel dabeihaben und es sich gleich recht wohnlich in der Hütte machen. Wir wollen nicht stören (und selbst auch für uns sein) und so schlagen wir auf dem schneefreien Stückchen Wiese neben der Hütte unser Zelt auf. Abends laden uns die Österreicher noch auf ein Tässchen Tee in die Hütte ein und anschließend können wir im nächtlichen Gewitter die Regentauglichkeit unserer Nusku testen - taugt :o)

Tag 2
KätzchentassenNachdem sich am nächsten Morgen dunkle Wolken mit sonnigen Abschnitten abwechseln, lassen wir es erst mal langsam angehen. So kann das Zelt in der Sonne trocknen, während wir unsere neuen Kätzchentassen einweihen - wenn man doof ist und die schönen, leichten Plastik-Haferl daheim vergisst, muss man nämlich an der Tanke in Österreich hübsch-hässliche Kätzchentassen kaufen und durch die Berge schleppen - auf der rechten Tasse erschrickt das kleine Kätzchen vor einem Igel. Oder es klammert sich einem Apfelbaumast fest, um nicht auf den Igel zu fallen. Das ist meine Tasse, die mit dem Kätzchen und den Entchen gehört Gaby. Meine ist schöner, Gabys Katze hat so komische Stummelbeine, sieht ziemlich degeneriert aus, völlig überzüchtet.

Irgendwann brechen wir dann doch noch auf. Der Weg ist allerdings recht mühsam und die 1000 m Aufstieg vom Vortag stecken uns auch noch in den Knochen. Als wir so nach ca. 1,5 h bei der Brunn Alpe ankommen, dehnt sich die Mittagsrast immer weiter aus und als dann die Wolken auch noch immer dunkler werden, kalkulieren wir knallhart und schlagen das Zelt auf. Schließlich würden wir bis zu der nächsten Zelt-/Übernachtungsmöglichkeit, der Luckerhütte mindestens 2,5 Stunden brauchen und wir haben keine Lust, im Gewitter durch den Schnee zu stapfen. Im nachhinein eine weise Entscheidung, denn...
1. Fängt es kurz nachdem wir das Zelt aufgestellt haben, heftig an zu Gewittern und
2. Begegnen wir am nächsten Tag 4 Wanderern, die offensichtlich in der Luckerhütte übernachtet haben. Nachdem dort keine Möglichkeit ist, das Zelt aufzustellen, hätten wir uns die Hütte teilen müssen. Die Luckerhütte ist eine enge und dunkle Notunterkunft und das wäre nicht so doll gewesen.

Zeltplatz auf der Brunn Alpe
Zeltplatz auf der Brunn Alpe

Tag 3
Trotz wolkenverhangenem Himmel brechen wir recht zeitig auf. Kurz nach 8:00 Uhr sind wir unterwegs. Glücklicherweise wird es immer sonniger und gegen Mittag ist der Himmel schon wolkenlos blau und es ist rechtschaffen warm (allerdings mit einem kühlenden Wind - einfach nur perfekt). Der Weg führt zunächst zur Luckerhütte. Ewig durch restschneebedeckte Minitäler. Der blöde Karst ist mit mehr oder weniger großen Dolinen durchsetzt und einmal breche ich mit beiden Beinen durch die Schneedecke. Mein (glücklicherweise) riesiger Rucksack hält mich und ich zapple zwar mit beiden Beinen in der Höhle rum, falle aber nicht durch. Keine Ahnung, wie tief die ist. Schließlich gelingt es mir, mich seitlich hochzuschieben und ich krabbel klitschnass aus dem blöden Loch.

Im Loch

Ansonsten sind die Erlebnisse des Tages deutlich schöner: Erst endeckt Gaby eine Gämse, die uns von einem Hügel aus ca. 15 m Entfernung in aller Ruhe beobachtet, dann einen Tannenhäher und bei der Mittagsrast an der Luckerhütte eine Kreuzotter, die wenige Meter von unserem Rastplatz entfernt unter einem Stein vorkriecht und sich dann schön fotografieren lässt, bevor sie sich betont lässig vom Acker macht.

Kreuzotter
Kreuzotter

Nach einer ausgiebigen Mittagsrast geht es weiter in Richtung Hinteregger Alm - wir wollen den morgigen Abstieg möglichst kurz halten, ansonsten wird die Heimfahrt zur Quälerei, also quälen wir uns heute. Allerdings werden wir mit herrlichen Ausblicken und einer wirklich schönen Tour belohnt.

Blick nach Süden
Blick nach Süden, der Hügel links heißt Kühfeld, rechts der Bewurzkoppen, im Hintergrund die niederen Tauern.

Der Abstieg zur Hinteregger Alm hat's dann in sich. Wir sind schon recht platt und müssen uns über rutschige und teils verschneite Felsen und über aufgeweichten Lehm-Matsch abwärts kämpfen. An der Jausenstation auf der Hinteregger Alm gibts eine Apfelschorle und ein paar Wienerle (in Österreich Frankfurter), bevor wir uns auf die Suche nach einem Zeltplatz machen. Die gestaltet sich nicht ganz so einfach: Die Rotwiesn, die auf der Karte ganz geeignet aussieht, erweist sich als recht matschig, hubbellig und abschüssig. Außerdem steht hier ein Ansitz und eine Futterkrippe und wir sind ein wenig unsicher - schließlich wollen wir wild zelten und haben keine Lust auf einen amoklaufenden Jäger, der Tobsuchtsanfälle angesichts zweier Wildzelter kriegt. Man liest ja da so einiges...
Schließlich finden wir ein Plätzchen am Waldrand, nicht besonders idyllisch, kein Ausblick und so, aber es ist ja auch schon 7:00 Uhr abends und wir sind rechtschaffen platt nach über 7 Stunden Gehzeit.

Tag 4
Der letzte Tag beginnt mit einem Gewitter. Und noch einem und noch einem. Irgendwann haben wir das Warten satt und bauen in einer kurzen Pause das Zelt ab und brechen auf.

Ausblicke beim Abstieg
Ausblicke beim Abstieg

Im Lauf des Abstiegs bessert sich das Wetter und wir kommen zumindest nicht völlig durchnässt am Auto an. Auf der Heimfahrt habe ich dann in Anbetracht der 27°, die das Außenthermometer anzeigt, die glorreiche Idee, in der Oberpfalz anzuhalten und die nassen Sachen (Zelt, Footprint, Schuhe, Rucksäcke, Jacken...) in der Sonne zu trocknen. Ich bin begeistert - man spart sich das Theater mit Zelt daheim trocknen...